Frau in bellybutton Mode

Schwangerschaftskolumne von Heike vom Heede:

Ein kleiner Ausflug in den Geburtsvorbereitungskurs

  • Ja oder nein?
  • Ab der wievielten Schwangerschaftswoche?
  • Und welcher Kurs passt zu mir?

Wieder ein Neuland, das du als Erstgebärende betreten kannst, aber nicht musst. Als werdende Eltern eines zweiten, dritten Kindes weißt du genau was du von solch einem Angebot erwarten kannst und genießt wahrscheinlich einfach die Zeit für das neue Kind im Bauch und der Inhalt des Kursus tritt in den Hintergrund und dient zur Auffrischung.

Kursangebote, wo du dich auf die Geburt vorbereiten kannst, gibt es viele: Private, an den Kliniken, verschiedenen Einrichtungen etc. doch wie finde ich meinen Kurs?

Der Geburtsvorbereitungskurs bereitet dich auf das einzigartige Erlebnis deiner Geburt vor. Im Geburtsvorbereitungskurs solltest du Sicherheit erlangen, dich auf dieses Abenteuer Geburt einzulassen und loslassen zu können. Wichtig ist, dass du Fachinformationen über die einzelnen Stadien der Geburt bekommst und kompetent beraten wirst, damit du dich auf den Prozess der Geburt einlassen kannst und dein Baby auf dem anstrengenden Weg zu dir unterstützt. Die Geburt verlangt von dir höchste Konzentration, Kraft, Mut und Zuversicht. Du brauchst die Sicherheit, dass das von dir ausgewählte Team beziehungsweise das Klinikpersonal dich gut begleitet und die richtigen Schritte einleitet, wenn es nicht so voran geht wie gedacht.

Jede Geburt ist einzigartig! Wir können uns bestens vorbereiten und doch wissen wir nicht wie es sein wird und ob wir überhaupt etwas aus unserem Geburtsvorbereitungskurs anwenden können, alles ist möglich.

Eine Geburt verläuft in unterschiedlichen Prozessen, dazu gehört Wehe kommt, Wehe geht, Wehe kommt, Wehe geht, die Abstände sind am Anfang größer und werden mit der Zeit immer kürzer. Über den Wehenschmerz wird viel gesprochen. Zum Beispiel ich lag Stunden in den Wehen, doch jede Wehe bringt eine Wehenpause mit sich und die Wehenpausen sind die Tankstellen für die nächste Wehe. Es ist so wichtig für dich und dein Baby, dass du die Wehenpause gut nutzen kannst, um viel Kraft für die nächste Wehe zu tanken. In meinen Kursen versuche ich mit den Frauen auf der einen Seite Haltungs- und Bewegungsmöglichkeiten für den Wehenschmerz und für die Wehenpause zu entwickeln.

Sicherlich stellst du dir die Frage was ist das Wehenschmerz? Eine Wehe ist ein im Muskelfaser sich zusammenziehender Schmerz. Muskeln die sich zusammen ziehen und wieder lösen. Die Wehe baut sich innerhalb von 1-1,5 Minuten auf und wieder ab. Nach ca. 30 Sek. Wehenschmerz bist du am Schmerzhöhepunkt deiner Wehe und dann baut sie sich langsam wieder ab.

Merk Dir, jede Wehe, die viel Kraft hat, bringt dich deinem Kind ein ganzes Stück näher. Jede leichte Wehe ist zwar angenehmer, bewirkt aber nicht soviel. Jede Wehe, die du geschafft hast, kannst du abhaken, sie kommt bestimmt nicht zurück.

Wichtig ist, dass du den Sinn des Geburtsverlaufes verstehst und im Geburtsvorbereitungskurs lernst, dich kompetent den Wehen zu stellen, tief in den Bauch atmest, durch die Wehe, dann die Wehe gehen lässt. Du bist die Sauerstoffdusche für dein Baby in jeder Wehe, denn das Baby erlebt jedes Mal eine unglaubliche Enge, es wird gewaltig bewegt und gedrückt und es braucht Mamas Hilfe und Zuversicht.

In der Wehenpause ist das Ausruhen für Mama und Baby wichtig. Lob Dein Baby jedes Mal, wie gut es mitmacht und wie sehr du dich darauf freust, es bald in den Armen zu halten. Wehen bringen Bewegung in deinen Bauch und es ist wichtig, dass dein Baby gut den Weg in den Geburtskanal schafft.

Darum ermuntere ich die Frauen - solange medizinisch nichts dagegen spricht - sich nicht im Kreißsaalbett, sondern stehend an der Wand gestützt oder auf dem Pezziball sitzend zu halten und immer wieder das Becken zu kreisen. So gibst du dem Baby mehr Raum, machst dadurch Platz in der Enge und hilfst deinem Baby sehr.

Ein verspannter, zusammengekniffener Po arbeitet gegen die Kraft der Wehe und ist kontraproduktiv. Wichtig ist, dass du entspannen kannst und der Weg für dein Baby offen ist. Lass dein Baby kommen, lass los und freu dich auf den Moment, wenn du es in den Armen hältst - es dauert nicht mehr lang.

So, das war ein kleiner Auszug aus dem wesentlichen Inhalt eines Geburtsvorbereitungskurses.

Natürlich sollten auch Informationen zu Schmerzmitteln und Verhaltensmaßnahmen beim Pressen in der letzten Phase der Geburt vermittelt bzw. Entspannungstechniken vorgestellt und ausprobiert werden.

Mögliche Geburtspositionen sollten erklärt werden. Für Erstgebärende ist das Besichtigen eines Kreißsaales und einer Wochenbettstation gemeinsam mit dem Kurs sehr interessant. Die ersten Stunden nach der Geburt und die ersten Tage mit deinem neugeborenen Schatz können Themen des letzten Abschnittes der Geburtsvorbereitung sein.

Nicht, dass du denkst, ich habe deinen Partner vergessen, nein ganz bestimmt nicht. Ich freue mich immer, wenn die Partner es einrichten können, ihre Partnerin zum Kurs zu begleiten. Es ist schön, wenn die Männer mit Hilfestellung der Kursleitung ausprobieren können, welche Berührung, welche Druckmassage oder welches Gehaltensein für dich angenehm ist.

Wir wissen nie, ob die im Kurs als angenehm empfundene Berührung auch unter der Geburt gewünscht wird. Alles ist möglich! Die Inhalte des Geburtsvorbereitungskurses vermittelt deinem Partner Sicherheit, deine Geburt kompetent und ruhig begleiten zu können. Ich glaube, dass es in manchen Momenten für die Männer sehr schwer ist, über Stunden die Kraft der Geburtsarbeit einfach nur still begleiten zu können.

Umso wichtiger ist es, dass der werdende Papa einfach weiß, dass es Phasen gibt, in denen der Schmerz kommt und der Schmerz geht. Manche Frauen möchten evtl. nur eine haltende Berührung und nicht gestreichelt werden. Gerüche wie Kaffeeduft können als lästig empfunden werden. Zeitungsblättern kann stören etc. Auch das Stadium der Frauen: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich mache nicht mehr mit, ist völlig normal und gehört zum Geburtsverlauf dazu.

Allein die ruhige Anwesenheit des Partners vermittelt vielen Frauen die Sicherheit, dass der vertrauteste Mensch gut aufpasst. Das gemeinsame Erleben der Geburt ist für viele Paare ein wichtiges und unvergessliches Ereignis und findet den Anfang schon in der gemeinsamen Geburtsvorbereitung.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Geburtsvorbereitung ist die Einbeziehung des Partners bei einem evtl. Kaiserschnitt (ob der geplante und/ oder der Notkaiserschnitt).

Natürlich wirst du die Geburt auch ohne gemeinsame Geburtsvorbereitung als ein einzigartiges Erlebnis wahrnehmen und ganz gleich das wie vielte Kind du erwartest, wird jede Geburt und jeder Lebensanfang des jeweiligen Kindes etwas ganz Besonderes und Wertvolles darstellen. Es ist ein einzigartiges Ereignis.

Vielleicht möchte dein Partner nicht mit zur Geburt oder du selbst möchtest ihn nicht dabei haben. Vielleicht möchtest du dieses Erlebnis mit deiner Mutter teilen oder einer anderen vertrauten Person. Wie auch immer du entscheidest, lass dich nicht unter Druck setzen, jedes Elternpaar, jedes Kind ist einzigartig und so wie du für deine Geburt entscheidest, so ist es für dich und dein Baby richtig und gut.